2012

What do you want from Life?

Das groeßte Problem des Aufschreis

Eigentlich wollte ich zu dem Thema nichts mehr schreiben, aber ich erlaube mir aufgrund der aktuellen Entwicklung noch ein paar Zeilen.

Die Protagonistinnen der aktuell intermedial präsenten Bewegung zwischen #Aufschrei, Mädchenmannschaft, Antje Schrupp und Co. ,um mal ein paar zu nennen, die mir spontan einfallen, sind zwar organisiert und medienpräsent bis zum Grimme-Preis, haben aber das wirkliche Problem, dass die allermeisten Frauen in diesem Land weder lesbisch sind, noch sich permanent durch das “Patriarchat” diskriminiert fühlen oder den gesunden, weissen Hetero als Feindbild vor sich hertragen, sondern schlicht ihr eigenes Leben leben. Und zwar pragmatisch, mit oder ohne Partner mit oder ohne Familie und Kinder.

Das ist traditionell eine massive Anfechtung für eine Mini-Minderheit, die sich zwar erleuchtet wähnt und als einzige die Unterdrückungsverhältnisse erkennt, aber in Wirklichkeit innerhalb eines Ghettos weniger Gleichgesinnter diskutiert, die Welt draussen trotz einiger wohlwollender Medien so gut wie nicht erreicht und sich daher anscheinend in Militanz und Totalitarismus flüchtet. Das gipfelt dann in in Absurditäten wie der Forderung, eine Frauenquote reiche nicht, denn damit ist nicht gewährleistet, dass Feministinnen in diese Positionen gelangen, sondern man brauche unbedingt eine echte Feministinnenquote

Frau sein allein reicht nicht

Frau sein allein zählt nicht, die Frau muss schon die richtige Gesinnung mitbringen, sonst darf sie nicht mitspielen. Solch ein vollkommen verdrehtes Weltbild zeichnet normalerweise religiöse Eiferer oder andere blinde Ideologen aus, daher werfe ich diese gleichermaßen frauen- wie männerfeindliche Feministinnenclique genau in diesen Topf: Ideologen mit totalitärem Anspruch.
Fehlt eigentlich nur noch die Forderung nach Umerziehungslagern für andersdenkene Frauen.
Eine der Initiatorinnen des Grimme-prämierten #Aufschreis hat schon im Januar auf beeindruckende Art aufgezeigt, was eine andere Alternative wäre, nachdem bei Jauch die mit ihr diskutierende Wibke Bruhns tatsächlich eine andere, eigene Meinung äußerte. Frau Wizorek twitterte daraufhin:

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Eine solche Geisteshaltung ist heutzutage einen Grimme-Preis wert.

Was Männern hingegen blüht wird bspw. von der Vor-Frau der Mädchenmannschaft, Nadine Lantzsch auf Twitter locker flockig angedeutet:

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Valerie Solanas war die psychisch gestörte US Feministin, die 1968 ein Attentat auf Andy Warhol verübte und im allgemeinen empfahl, Männer als Wurzel allen Übels auf der Welt, einfach auszurotten. Nichtdestotrotz wird Frau Solanas als feministisches Vorbild angeführt.
Die aktuelle Situation der Mädchenmannschaft in Form fortschreitender Radikalisierung bei gleichzeitigem Verlust von Einfluss wird hier kurz beschrieben.

Muss man mehr dazu sagen? 

Vielleicht noch, dass diese Protagonistinnen anscheinend eher wenig mit der Lebensrealität der allergrößten Teils ihrer Geschlechtsgenossinnen zu tun haben. Man findet beruflich viel soziologischen oder medien- und kommunikationsbezogenen Kontext und natürlich Genderthemen, gerne öffentlich subventioniert durch Steuern, die von weissen, männlichen Heteros gezahlt werden. Dagegen wenig Berufsbilder, in denen sich der Großteil der arbeitenden Bevölkerung, egal ob männlich oder weiblich, bewegt (und Abgaben leistet). Typische Familiensituationen, mit oder ohne Trauschein, sind auch eher selten, weil dies i.d.R. eine Heterokonstellation bedingt, die unwahrscheinlich bis unmöglich ist im lesbischen Umfeld. 
Daher bleibt eine realistische Hoffnung, dass dieses Thema einfach ausstirbt.

Leistungsschutzrecht- die Bombe ist verpufft

Die Knüllermeldung heute: Springer hat unterschrieben. Damit ist das Leistungsschutzrecht in der Praxis gescheitert bevor es aktiv wird.

Meedia meldet als aktuelle Topstory, dass jetzt auch der Axel Springer Verlag sein Heil in einem opt in bei Google gesucht hat. Spät und natürlich nur unter Vorbehalt, aber wer so vehement mit allen Mitteln für dieses in der Hitparade aller jemals im Nachkriegsdeutschland erstellten unsinnigen Gesetze einen der vorderen Plätze belegende Regelwerk gekämpft, lobbyiert und Propaganda gemacht hat, kann nicht einfach sagen, ok Google, wir haben’s versucht, aber nicht mehr in den News aufzutauchen ist auch nicht so der Hit. Also Schwamm drüber …

Google reagierte schnell

Nach Googles Ankündigung vom Juni, eine weitere Listung in den News ab 1. August von einer vorherigen Zustimmung der Verlage zum Verzicht auf Forderungen aus dem Leistungsschutzrecht abhängig zu machen, fielen die Verlage um und unterzeichneten nahezu alle. Zu groß war anscheinend die Angst der Branche, durch Forderungen an Google aus den News zu fliegen und dann zu sehen, wie die Besuchszahlen auf der Webseite abstürzen. Die Verlage wussten sehr wohl, wer ihnen (und ihren Werbekunden) die Klicks bringt. Nur Springer zierte sich noch. Aber der erste August ist in drei Tagen und Google ist bei Leistungsschutzrecht nicht zu Scherzen aufgelegt.

Und warum?

Vielleicht hat auch der gerade angekündigte massive Umbau des Verlags, der Verkauf etlicher Blätter und Blättchen an die Funke Gruppe ihren Teil dazu beigetragen. Vielleicht hat auch schlicht der Pragmatismus gesiegt, denn Google hat eben keine Anstalten gemacht, die Brieftasche zu zücken und die gebeutelte Branche mit ein paar großen Scheinen zu pampern. Denn auch dieses Gesetz hat massive Unsicherheiten hinterlassen, im Zweifel hätte wegen der anscheinend mittlerweile in deutschen Gesetzen üblichen schwammigen Formulierungen auf das ein oder andere klärende Urteil der dritten Gewalt gewartet werden müssen. Damit ist für mich das Leistungsschutzrecht erledigt. Jedenfalls für den größten Player. Ob sich die Verlage jetzt untereinander angehen, wenn es um Beiträge geht, ob sie versuchen, von Bloggern abzukassieren, sehen wir nach dem ersten August. Im Moment ist mir erstmal nach Entwarnung.
Sogar für die SPD, die wohl auch noch drum herum kommt, sich nach einem nicht zu erwartenden Wahlsieg erneut mit diesem Thema befassen zu müssen. Wie sie es vollmundig verkündeten, nachdem sie das Gesetz nicht im Bundesrat gekippt hatte.

Springer hat recht.

Das Gejammer ist groß, der endgültige Untergang des Abendlandes eingeläutet. Nein, Tatort wird nicht eingestellt, sondern der Springer Verlag mistet aus und das konsequent und erbarmungslos.

Mathias Döpfner trennt sich von alten, liebgewordenen Publikationen wie dem Hamburger Abendblatt, Hörzu oder Bild der Frau und etliche deutsche Vertreter der veröffentlichten Meinung drehen schier durch. Ein Gemeinschaftsartikel bei SPON faselt in geradezu selbstentlarvender ewiggestriger Ideologiehörigkeit vom Verrat an “der Vision” des Firmengründers Axel Springer. Als wenn bei SPON irgendwer zugeben würde, eine der erwähnten Springer Erzeugnisse auch nur aus der Ferne anzusehen. Aber jetzt ist gleich der Journalismus als solcher in Gefahr, der anscheinend nur im Print zuhause ist. Soviel Borniertheit und Sendungsbewusstsein ist schon beachtlich, denn gerade bei SPON sehe zwar ich die wöchentlichen Nazi-Geschichte zur korrekten Volkserziehung und das üblichen Bedenkentragen gegen Gott und die Welt, aber wenig “echten” Journalismus.

Vermutlich hätte der herbeizitierte Axel Cäsar Springer seinen Laden schon viel früher auf Zukunft getrimmt, als es sein operativer Nachfolger Döpfner jetzt macht. Um es mal mit Helmut Schmidt, einem weiteren großen Hamburger zu sagen, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen und wenn der Gründer des Verlags nur Visionen gehabt hätte, gäbe es seinen Verlag schon lange nicht mehr. Er hatte zusätzlich die Kraft und die Mittel, alles durchzusetzen. So gesehen hat Axel Springer seinerzeit alles richtig gemacht und sein Nachfolger macht es heute. Auch wenn einige andere Schreiber und konsequenter Verweigerung der vernetzten Realität das nicht sehen wollen. Die Zukunft liegt nun mal online, ob das in 50 Jahren anders aussieht, sehen wir dann.

Ein klein wenig Ironie liegt darin, dass gerade Springer vor kurzem so massiv für das sogen. Leistungsschutzrecht lobbyiert hat, federführend in Formulierung und Druck auf die Politik. Damit versuchte, ein altes Geschäftsmodell in eine neue Welt zu retten. Und jetzt stößt der Verlag etliche seiner Publikationen an ein Konkurrenzunternehmen ab und zeigt, dass dieses angeblich so wichtige Gesetz, kaum noch eine Rolle spielt, denn die Zukunft ist online. Das nenne ich mal Mut zur Umsetzung.

Egal, ob mensch den Springer Verlag mag oder nicht, was gerade passiert ist ein richtiger Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit. Diejenigen, die jetzt aufschreien haben nicht begriffen, wo die Reise hingeht und klammern sich an Kutschen, von denen sie den überholenden Autos huldvoll zuwinken.

Hier noch ein sehr lesenswerter Beitrag zu dem Thema mit zusätzlichen Informationen von Matthias Schwenk.

Das Letzte ….

Der Thienemann Verlag bearbeitet Kinderbuchklassiker nach in Bezug auf politisch-korrektes Neusprech. Derzeitiges Opfer: die kleine Hexe von Otfried Preussler und alle darin vorhandenen Neger.

Dazu meine Meinung:
Werter Verlag, ich bin Jahrgang 1961, ein Kind zweier Kriegskinder und ich frage mich, ob der nächste logische Schritt nun ein Umschreiben der Geschichtsbücher sein wird, in denen in zeitgeistig-opportuner sogen. politischer Korrektheit, alles Diskriminierende, alle Hass- und Progrombeschreibungen, alles Elend und alle Not in eine brav-verharmlosende Sprache gebracht wird. Und zwar so dass man am Ende zweifelt, ob es überhaupt jemals Krieg gab. Und schon gar nicht erkennen kann, warum.
Meine Generation ist mit Negern, Zigeunern, dem Lieben Gott und dem Teufel aufgewachsen und sie hat durch den Gebrauch dieser Begriffe nicht mehr Schaden genommen, als alle folgenden. Sie ist allen gegenteiligen Annahmen der politisch-korrekten Weltrettungsfraktion weder in Gänze rechtsradikal, noch militaristisch geworden. Sie will weder Atombomben, noch Deutsch-Südwest zurück.
Allerdings trotz oder vielleicht eben wegen einer seit den letzten 25 Jahren durchgeführten unglaublich korrekten Volkserziehung, ist der Rechtsradikalismus bei Jüngeren im Land anscheinend verbreitet wie niemals zuvor.
Als Historiker sehe ich in einer zeitgeistig-trendigen Zensur vorhandener alter Werke, wie sie vom o.g. Verlag durchgeführt wird, eine dramatischen Hinwendung zu Zensur, zu undemokratischem, totalitären Denken, das um jeden Preis - u.a. dem der so oft beschworenen Toleranz - die Welt retten will. Als nächstes käme dann, die alten, voller angeblicher Diskriminierung steckenden Bücher medienwirksam zu verbrennen.

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Daher mein Entschluss, keine Neuauflagen alter Bücher mehr anzuschaffen (es gibt zum Glück genügend Antiquariate) und keine eBooks mehr, damit ich sicher sein kann, das Wahrheitsministerium hat nichts geändert zum Original.

Manchmal denke ich, 1984 ist ein Kindergeburtstag gegen das, was heutzutage als gut gemeint gilt ….

Das war’s: 2012

Als letzter Beitrag in diesem Jahr eine Sammlung von Gedanken zu und über Ereignissen, Stimmungen und Positionen zur digitalen Welt, die weit über den Jahreswechsel hinaus wirken und sich vermutlich in dem ein oder anderen Fall ab 2013 noch deutlich wichtiger und nachhaltiger zeigen werden, als wir uns vielleicht heute, in den letzten Tagen von 2012 vorstellen mögen.

Digitale Zukunft - Vernetzung, Innovation und Disruption

Es war eine Meldung, die mich kürzlich morgens früh schneller weckte als der Kaffee in der Tasse neben mir: Ray Kurzweil heuert bei Google an als Director of Engineering!

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Nach Apples Rückzug vom Innovations- und Technologietreiber zugunsten von Buchhaltern und Patentanwälten, blieb eh’ nur Google als legitimer Nachfolger. Eric Schmid hat Google zudem vor kurzem im Interview mit Bloomberg zum Sieger im Krieg der mobilen Betriebssysteme ausgerufen. Und ich meine, er hat recht. Deutliche Vorherrschaft bei Smartphones, wachsende Marktanteile bei Tablets, auch wenn dort das iPad noch dominiert und der Einstieg in die Welt der Notebooks mit den neuen Chromebooks. Und das sind nur die Sachen, die jetzt verfügbar sind als Alternative zu den Gadgets, die wir seit Jahren nutzen. Hinzu kommen noch jede Menge Dinge, die wir noch nicht nutzen können, weil sie noch nicht auf dem Markt sind.

Warum ich hier das hohe Lied von Google singe? Weil Google im Moment das Beispiel ist für ein Unternehmen, das vordenkt, alle notwendigen Ressourcen zur Umsetzung selber in der Hand hat, vor Innovationskraft nahezu platzt und es Schritt für Schritt umsetzt. Eine langsame, aber nachhaltige, durchdachte und umfassende Sammlung und Qualifizierung von Ressourcen, die als Ergebnis Produkte liefern, die unsere digitale Zukunft massiv beeinflussen werden. 
Dagegen verblassen die derzeitigen konventionellen “Führungskräfte”, wie sie sich prototypisch in Microsoft manifestieren. Konfrontiert mit wiederholten Versäumnissen in Bezug auf das Internet und durch den Rückgang des traditionellen PC-Marktes und damit verbunden einem Bedeutungsverlust von Windows und Office, soll oder besser muss Windows 8 als übergreifende Systembasis für konventionelle PCs und mobile Geräte, es jetzt richten. Zusammen mit den neuen Distributionswegen der Office-Pakete. Dabei gilt das Prinzip Hoffnung. Wer Outlook nutzt, will es auch auf Smartphone oder Tablet haben. Wer Word und Excel nutzt, ebenfalls. Millionen von Gewohnheitsanwendern sind die Zielgruppe.
Nur, was ist, wenn der typische Anwender eigentlich kein Outlook oder Office nutzen will, sondern einfach nur mailen, Termine ablegen, eine Tabelle anlegen oder einen Brief schreiben? Wenn er kein Monsterpaket kaufen will, um das machen zu können, sondern es eben nur um die Erreichung eines Ziels geht? Ein typischer Fall für das Thema digitale Disruption, am Horizont sehe ich - wieder der Name - Google Docs aufblitzen. Noch klein und relativ ärmlich, aber günstig und sofort nach Anmeldung überall verfügbar … warten wir ein Jahr ab. Lassen wir die Anwender entscheiden!

… und Deutschland?

Und jetzt kommen wir nach Deutschland. Ein Land von großer Wirtschaftskraft, mit gut ausgebildeten Menschen, Infrastruktur, Industrie und allem was dazu gehört. Aber leider gehören Innovationskraft, die Fähigkeit vorauszudenken (ich vermeide absichtlich das so beliebte wie falsche Wort querdenken) und Chancen zu erkennen nicht zu deutschen Tugenden. Im Gegenteil, gerade in den Bereichen IT und Internet ist Deutschland noch Mittelalter. Was vorherrscht sind Bedenken, Ängstlichkeit, Regulierungswut, Kompentenzgerangel und jede Menge Angst vor Kontrollverlust. Sehr schön hier zusammengefasst und in einen internationalen Kontext eingeordnet. Nennen wir es Kleinstgeistigkeit mit einer Binde vor den Augen, damit ja niemand vorhandene Ansichten und Geschäftsmodelle infrage stellen kann.  In der Praxis äußert sich das darin, dass es so gut wie keine Softwareschmiede von internationalem Rang in Deutschland gibt. Gut, ich hör die Einwände, was ist mit SAP? Natürlich, SAP ist eine richtig große Nummer im Bereich Enterprise Resource Planning, also allem, was den Betrieb eines Unternehmen regelt. Aber damit erfolgreich in einem Bereich, der zweifellos im typisch deutschen Kompetenzspektrum liegt. Regeln, steuern und rechnen unter Berücksichtigung vieler Vorgaben. Da bleibt wenig Raum für Innovation, für neue Geschäftsmodelle, für Weiterdenken, über das Hier und Jetzt hinaus. 
Das Fairness halber sei angefügt, es gibt tatsächlich trotz aller Hemmnisse so etwas wie eine internetinnovative Wirtschaft in diesem Land. Stellvertretend als kleines Beispiel und Lichtblick in der App-Szene für mobile Kommunikanten nenne ich hier nur Soundcloud, ein kleines Tool in Sachen Musik aus Berlin, das eingeschlagen hat wie eine Bombe.
Aber es wird niemals ein Facebook, ein Dropbox, ein Google aus Deutschland geben, allein die korrekte Position des Impressums oder die Formulierung einer Widerrufsregelung zum Kauf auf der web site hätte umfangreiche juristische Ressourcen erfordert, die vermutlich den Rahmen eines kleinen Startups gesprengt hätten… 
Als Einschub erlaube ich mir den Hinweis auf Fabian Thylmann, einen sehr erfolgreichen deutschen Internet-Unternehmer, der mit verschiedenen, unglaublich populären Porno-Plattformen (u.a. youporn) ein Vermögen gemacht hat und dabei pro Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag umsetzt. Selbstredend sind weder Firmensitz noch Hosting der Seiten in Deutschland, sonst wäre dank der Rechtslage hier noch vor der ersten Einnahmebuchung die erste Abmahnung wegen fehlendem Impressum im Briefkasten gewesen. Thylmann ist gerade in den Schlagzeilen, weil er medienwirksam im Flugzeug wegen Verdachts auf Steuervergehen verhaftet wurde.
Es hätte auch niemals ein iPhone Made in Germany gegeben. Das Risiko wäre allen verbeamtet-denkenden potentiellen Geldgebern viel zu groß gewesen, in einen gefestigten Markt von aussen einzubrechen. Und das auch noch nicht vorsichtig und subtil, sondern mit Dynamit. Fünf Jahre später ist dieser Markt nicht mehr wieder zu erkennen, der vermeintliche Beton war Ton und der damalige unumstrittene Marktführer lediglich eine satte und bewegungsunfähige Schildkröte, die mittlerweile massiv ums nackte Überleben kämpft.

Und dann gibt es noch das “Leistungsschutzrecht”

Verlage, nicht Autoren (sic!), fordern von Suchmaschinen und Newssammlern Geld dafür, dass diese Schnipsel und/oder Links zu Beiträgen aus Online-Publikationen auflisten und so den geneigten Leser auf die web sites der jeweiligen Publikationen führen. Als wenn der Taxifahrer die Restaurants, zu denen er Kunden fährt, bezahlen muss. Ein entsprechendes Gesetz wurde unter beharrlichem Druck bestimmter Verlage auf den Weg gebracht. Trotz gegenteiliger eindeutiger Stellungnahme selbst höchster Kapazitäten zum Thema Urheberrecht in Deutschland. Mir persönlich scheint, als haben die verantwortlichen Politiker aus Angst vor der BILD-Zeitung ihren eigenen Verstand an der Garderobe abgegeben.

Das LSR ist eine wirkliche Delikatesse im analogen Beharren einer selbstverschuldet sterbenden Branche, eine gewünschte Gelddruckmaschine, ohne dafür zu erbringende Gegenleistung. Es gibt im Weg unzählige Artikel (z.B. hier, hier, hier und nicht zuletzt auch hier), die meisten von unabhängiger Seite, denn die selbsternannte “Qualitätspresse” tut sich recht schwer damit, das Begehren ihrer Verlage als das zu bezeichnen, was es ist: hirnverbrannter Unsinn einer größenwahnsinnigen Clique von Dinosauriern Auge in Auge mit dem Meteoriten. 

Mein Fazit heute, Ende 2012 

Deutschland gefällt sich nach wie vor im netzpolitischen Klein-Klein - im Zweifel ist es Ländersache, hat durch unsinnigste, von ersichtlich sachunkundigen Politikern und Juristen geschaffene nationale Pseudo-Regulierungen erfolgreich eine umtriebige Abmahnindustrie geschaffen, die ungehemmt von politischen Bremsen ihr Unwesen in Wirtschaft wie privatem Bereich treiben kann und macht sich im internationalen Vergleich zunehmend lächerlich. Es ist traurig zu sehen, wieviel Potential, wieviele Möglichkeiten, Geschäft zu generieren, von unfähigen Politikern und geschäftstüchtigen Juristen, journalistischen Nixverstehern und Alt-Denkern vereitelt wird.

Wielange kann sich die Industrienation Deutschland diese digitale Ignoranz noch leisten?

Michael Gorny, 30.12.2012

Was fuer eine Woche!

Seit vergangenen Dienstag ist selbst für unsere geschwindigkeitsverwöhnte Zeit jede Menge passiert in Deutschland und der Welt.

Zuerst Team USA 
Erst wird Obama mit wie sich inzwischen herausgestellt hat, deutlichem Vorsprung (332:206 Wahlmännern) wieder als Präsident der USA gewählt. Selbst das seit der 2000er Wahl, als G.W. Bush trotz geringerer Stimmenzahl seinen Konkurrenten Gore ausbootete, unter besonderer Beobachtung stehende Florida mit seinen 29 Wahlmännern konnte Obama holen
Bleiben wir in den USA, kurz nach der Wahl tritt der CIA Chef General Petraeus zurück. Offiziell wegen einer ausgiebigen Affäre mit seiner 20 Jahre jüngeren Biografin Paula Broadwell. Die Umstände sind derzeit noch undurchsichtig, auch Zeitpunkt und evtl. weitere Beteiligte, zudem ist anscheinend noch der Oberste US Militär in Afghanistan General Allen in diese Affäre verwickelt. Genaues weiss man nicht, aber in den USA versprechen außereheliche Affären, Ermittlungen des FBI und mysteriöse Umstände des Bekanntwerdens immer wieder gerne einen soliden Skandal. 

Und dann Deutschland
Aber nicht nur in den USA passierte etwas. Nein, hier im beschaulichen Deutschland führten die Grünen eine Urwahl zur Ermittlung des Spitzenduos für die Bundestagswahl im kommenden Jahr durch. Zur Wahl standen altbekannte Gesichter, seit Jahren dabei und schon in der seligen rot-grünen Koalition aktiv: Renate Künast, die im letzten Jahr dramatisch scheiterte beim Versuch Berlin im Handstreich zu erobern, Claudia Roth, bekannt aus der anatolischen Volkstanzszene, Jürgen Trittin, der seinerzeit die Flaschen-Mehrwegquote durch Einführung des “Dosenpfands” in ungeahnte Tiefen stürzte und Katrin Göring-Eckhardt, im Nebenberuf Vorsitzende der Synode der evangelischen Kirche Deutschland. Die beiden letztgenannten wurden gewählt und das war für viele, einschließlich meiner, eine Überraschung. In meinem Fall eine positive, denn auch wenn ich kein Grünwähler bin, mit Frau Göring-Eckhardt könnte tatsächlich mal ein neues Lüftchen durch die alters-stagnierende Grünpartei wehen. Claudia Roth erzielte übrigend das schlechteste Ergebnis der vier. Wie es mit ihr in offizieller Position in der Partei weitergeht, ist meiner Ansicht nach offen. Besonders erwähnenswert finde ich den Umstand, dass Frau Göring-Eckhardt trotz ihrer kirchlichen Funktion ein solches Vertrauen bei den Parteimitgliedern geniesst. Wo sind die aufgeklärten Atheisten, die schon Schluckauf bekommen, wenn sie ein Kreuz sehen und keine Gelegenheit auslassen, wenn es darum geht, die mangelnde Trennung von Kirche und Staat in Deutschland zu beklagen? Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, es gibt sie noch, allerdings scheinen sie das Lager gewechselt zu haben und sammeln sich unter einer anderen Flagge. Diese Wahl hat massive Spekulationen über eine mögliche neue schwarz-grüne Konstellation nach der Bundestagswahl ausgelöst. Der gute Sigmar Gabriel fühlte sich sogar bemüßigt, von den Grünen eine eindeutige Aussage zu rot-grün zu fordern

Dann war da noch das Betreuungsgeld. Ein medialer Daueraufreger seit Monaten, ideologisch belastet bis zum Anschlag. Einzelheiten erspare ich uns, das Thema ist rauf und runter diskutiert. Was Frau Schröder, als zuständige Ministerin zu hören bekam, war vom feinsten. Allerdings, wenn die Einführung dieses Betreuungsgelds im Koalitionsvertag steht, dann hat sie persönlich wenig damit zu tun, denn als dieser Vertrag geschlossen wurde, war sie noch nicht Familienministerin. Birgit Kelle hat im European die Position von Frau Schröder treffend beschrieben. Fakt ist, das Betreuungsgeld ist beschlossen und wird kommen. Auch wenn der evtl. zukünftige Kanzler Steinbrück, falls er die Angriffe aus seiner eigenen Partei bis zur Wahl durchsteht, es sofort wieder abschaffen will.
Ein unschönes Beispiel von real existierender Frauensolidarität in der Debatte zeigte übrigens die Linke Petra Sitte, die die CSU Abgeordnete Doro Bär auf Twitter ziemlich unterirdisch anging.
Meine persönliche Meinung zum Betreuungsgeld ist eine vollkommen ideologiefreie Ablehnung aus Gründen der Gerechtigkeit.
Interessanterweise wurde das Betreuungsgeld sogar in der großen Anti-Rassismus Veranstaltung “Arsch huh, Zäng useinander” in meiner Heimatstadt Köln am 9.November von dem Kabarettisten Wilfried Schmickler thematisiert. Genauer, er griff Frau Schröder unverschämt an und zeigte damit, dass er ideologisch stramm im Betonfeminismus der 70er Jahre steckengeblieben ist. 

Was noch passierte
Heute, am Dienstag dem 13.November, kam die Meldung, die Frankfurter Rundschau ist pleite. Diese Zeitung war einst in der Bonner Republik der linksliberale Gegenentwurf zur konservativen Tagespresse aus derselben Stadt. Eine Institution in der deutschen Presselandschaft. Leider hat sie es nicht geschafft, sich in der Internetwelt neu zu erfinden. Ich hoffe, dass es weitergeht und der Aufmacher von heute nicht nur ein Pfeifen im Wald ist!
Außerdem läutete heute Google eine weitere Runde im Konflikt mit Apple ein. Die neuen Nexus Modelle kamen in den Verkauf. Technologisch ganz weit vorne, preisliche Knüller. Es kam, wie man es eher von Apple kennt, nur schneller. Schon nach wenigen Minuten waren die Geräte aus dem Google Play Store in allen Ländern ausverkauft. Technische Probleme kamen hinzu und die geneigte Kundschaft war verärgert. Trotzdem, ich freue mich auf die nächste Lieferung und bin dann mit dem Nexus 7 dabei! 

Michael Gorny

Digitale Disruption … konstruktiv oder destruktiv?

Digitale Disruption ist die Emanzipation der Kunden und Anwender von Lieferanten und Administratoren.

Das wird manchem gefallen, weil es aus der Sicht der Anwender kommt, es wird allerdings den Administratoren weniger gefallen, denn sie sind verantwortlich für die Bereitstellung und den (sicheren) Betrieb der IT Infrastruktur im Unternehmen. Die Frage ist jetzt, was setzt sich durch? Eigentlich ist es keine Frage. Statik ist ein Auslaufmodell, starre Prozesse, die Kunden aus Kostengründen in standardisierte Schablonen packen und bei individuellen Anforderungen kapitulieren, Beharren auf althergebrachten Strukturen und Hierarchien zementieren den Abstieg einer Organisation, eines Unternehmens, eines Landes im internationalen Wettbewerb. Die tatsächlich relevante Frage lautet daher nicht ob, sondern wann der Fall eintritt. Unter welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt. Daher halte ich eine Betrachtung der Umstände eines Wandels, den Vorbedingungen für wesentlich interessanter, als eine zunehmend sinnlose Diskussion mit der Beharrungsfraktion über das Ob und sinnfreiem Marketinggebläse zum Service.

Die Emanzipation der Anwender im Detail ….

Die Emanzipation der Anwender geht über das Zauberwort “Usability”, Bedienungsfreundlichkeit und das Gefühl, den größten Nutzen aus der Applikation, dem Gerät und dem Service dazu zu ziehen. Technik, Infrastruktur, dramatische Sicherheitsbedenken, egal, Technik muss dem Menschen dienen, nicht der Mensch Dienstleister der Systeme sein.  Bei Geräten reagieren viele Unternehmen mittlerweile mit BYOD - bring your own device - und es funktioniert. Anwender sind es leid, privat einen tollen Minicomputer mit Telefonfunktion zu nutzen und in der Firma um eine Datenoption für ihr von der Firmen-IT zertifiziertes Handy zu kämpfen oder statt dem coolen iPad einen nach allen Regeln der Kunst zugesperrten Laptop nutzen zu müssen. Natürlich gibt es Sicherheitsbedenken und die will ich auch nicht kleinreden, aber motivierte Mitarbeiter, denen vertraut wird und die ihre eigenen Geräte nutzen dürfen, haben ein Interesse am Erfolg und mehr Zeit das zu tun, wofür sie bezahlt werden, statt sich mit Blockaden ‘rumzuärgern und auf die IT zu schimpfen. Vertrauen statt Gängelung, die gerade in der IT oft genug genutzt wird, um Abhängigkeiten bis hin zu Herrschaftsverhältnissen festzuschreiben.

… und die Folgen für die Platzhirsche. Beispiel Nokia

Vor 5 Jahren erschien das erste iPhone auf einem Markt, der bis dahin aus Nokia und dem Rest bestand. Mobiltelefone waren in erster Linie genau das. Eben mobile Telefone mit einfachen Texteingabemöglichkeiten für sms und meist einer Kamera, um ein paar verrauschte Bildchen zu knipsen. Die sollte man dann nach dem Willen der Mobilfunkprovider mit dem teuren MMS-Service über das Mobilnetz verschicken. Mein ganzer Stolz war damals ein Communicator 9300.
Dann brachte Steve Jobs das iPhone und alles war anders. Wie diese Geschichte weiter ging, ist allen bekannt. Nokia kollabierte förmlich in den folgenden vier Jahren und ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Google dominiert  den Markt für Handy Betriebssysteme, Apple ist noch wie vor stark und dann kommt ganz lange nichts …. Nokia sucht mittlerweile sein Heil bei Microsoft und promoted Geräte mit Windows 8. Wäre ich ein wenig böswillig, schriebe ich, zwei Einbeinige haben sich verbündet um den Gipfel zu stürmen. Microsoft hat traditionell erst den Einstieg in das Internet verpasst und dann konsequenterweise auch den Einstieg in die mobile Kommunikation. Wenn wir uns heute an Bill Gates legendäre Keynote zur Comdex ‘94 erinnern, das war der Satz mit “Information at your fingertips”, habe ich das Gefühl, er selber war der einzige, der seinen eigenen Satz nicht verstanden hat.  Aber zurück zu den Bedingungen des Wandels. Ich behaupte ganz einfach: Der Anwender muss das Gefühl haben, das neue ist besser als das alte.
Technische Aspekte, Sicherheitsbedürfnisse, Hierarchien, alles egal, wenn der Anwender mit einem neuen Gerät, einer neuen Software, einem neuen Servicekonzept, dass ihn ernst nimmt, das Gefühl hat, was er machen will geht schneller, besser und macht mehr Spaß, dann ist das Thema durch. Die Beharrer stemmen sich natürlich dagegen, gerade in IT oder bei den Telkos sind Flexibilität traditionell nicht besonders ausgeprägt, aber es wird auf Dauer zum Wechsel kommen.
Noch vor ca. zwei Jahren hat mir ein IT-Adminstrator erklärt, warum ein Blackberry das einzige zulässige Handy im Unternehmen sei. Er hatte sicher recht aus seiner Sicht. Und heute? Was war nochmal Blackberry?

Was passiert mit Microsoft?

Microsoft sehe ich in ähnlicher Situation heute wie Nokia früher, Windows 8 ist ein Schicksalsthema. Früher hätte der Markt ein  neues Windows aufgesaugt, heute ist der PC an sich, egal ob stationär oder Laptop, auf dem Rückzug, mobile Systeme wie Android und iOS dagegen preschen vor. Ob die neuen Surface Tablets als barn burner dafür sorgen, dass die Tablet Karten neu gemischt werden, schaun’ wir mal … Anwender entscheiden mit den Füßen. Noch gibt es keine echte, allgemein akzeptierte Alternative zu Microsofts cash cow namens Office, aber wer genau hinschaut, sieht ganz weit hinten mit Google Docs etwas aufblitzen, das noch nicht heute, aber morgen funktional mit Office gleichziehen und dabei ganz einfach mit mobilen Geräten zu bedienen sein wird. Denn genau dort kommt es her. Anwender wechseln, wenn das Gefühl überwiegt, etwas neues ist einfach sexier als das alte. Das sind z.B. einfache Bedienbarkeit, Übersichtlichkeit und Verfügbarkeit auf allen Geräten.
Es sind nicht Kacheln, Ribbons oder Mailapplikationen, die alle Ressourcen des Geräts vereinnahmen. Ob Windows 8 auf Tablets oder Smartphones selbst im Business die derzeitige Android oder iOS Kultur zurückschrauben kann, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht, wenn die Geräte in die AD integriert werden? Andererseits, wie sexy ist es wirklich, ein Tablet oder ein Smartphone zu nutzen, wo Windows ‘drin steckt. Windows heute ist Langeweile, jeder hat es auf dem PC, aber Liebe ist was anderes.

Gretchen, ich frage Dich, wo steht Apple?

2012 ist nicht mehr 2007 …. Die Innovation, für die das iPhone stand ist heute Standard, also keine mehr. Der Kopf dahinter, Steve Jobs, im vergangenen Jahr verstorben und die Produkte, die Apple aktuell auf den Markt bringt sind evolutionäre Weiterentwicklungen, die auf den Präsentationen mit einer inflationären Zahl von Superlativen beschrie(b)en werden.
Allein die Tatsache, dass Apple ein kleines iPad herausbringt, was Jobs niemals tun wollte, zeigt, dass Apple die Rolle gewechselt hat. Aus dem Innovator der eine ganze Branche umkrempelt, ist ein Reagierer geworden. 2012 ist der Wettbewerb nicht mehr hinter Apple, sondern hat gleichgezogen und teilweise überholt. Manche sehen diese Zeit als Beginn des Abstiegs, die Innovation wurde von Buchhaltern und Patentanwälten übernommen. Hinzu komm eine Wagenburg-Mentalität, die Apple mit seinem i-Universum zelebriert. Es wird immer geschlossener und vereinnahmt den Nutzer immer mehr. Warten wir ab, wie der Markt reagiert. Weitere Kandidaten, die von der Geschichte überrollt werden, sind Telkos und Internetprovider, die sich darin gefallen, ihre Kunden mit Standardprozessen und vorgegebenen Kommunikationswegen im Service abzuspeisen und oftmals das Gefühl vermitteln, der Kunde stört und soll die Firma nicht belästigen. Individualität  im Ablauf, die nicht in das Standardraster passt, wird mit Ignoranz, Entscheidungsunfähigkeit und Kompetenzverweigerung bestraft.

Wann beginnt der Abstieg?

Der Abstieg tritt ein, wenn ein Unternehmen nicht merkt, das sich Markt und Kundenverhalten ändern, dass sich Anforderungen und Prioritäten der Kunden ändern, dass althergebrachte Prozesse, Konzepte und Abläufe nicht mehr funktionieren. Zuerst kommt die Stagnation, dann folgt der Abstieg.
Diese Stagnation kann durchaus auf hohem Niveau, s. Nokia, eintreten. Das Fatale ist, dann nicht zu merken, dass sich der Wind gedreht hat und daher nicht zu reagieren. Wenn der Umsatz einbricht, wenn Kunden abwandern und wenn die Konkurrenz erkennbar aufschließt, ist es zu spät. Von daher zurück zur Überschrift. Digitale Disruption ist per Definition konstruktiv, wenn man sich von Partikularzielen löst und sich auf das große Ganze konzentriert. Auf die Bereiche, in denen man sich vom Wettbewerb abesetzen will und damit Erfolg generieren. Sie ist destruktiv, weil sie alte, geliebte, eingefahrene Strukturen sprengt, Märkte zum erbeben bringt und Herrschaftsverhältnisse neu definiert.
Akzeptieren wir Disruption als Teil des Lebens und der Arbeitswelt und nutzen wir sie jetzt, um uns von der Gängelung durch Technik und IT-Konzepten der 90er Jahre zu lösen.

Michael Gorny

Wieso einfach, wenn es auch doppelt geht - ein Serviceerlebnis

Ich gebe zu, ich bin Kunde bei eplus. Dann als die neue Marke “BASE” auftauchte, bin ich dorthin gewechselt. Das war 2005.
Seither habe ich brav meinen Vertrag jedesmal verlängert, jedesmal eine Gutschrift wahrgenommen und bin dabei geblieben.
Aber dann sollte Schluss sein, in diesem Jahr heuerte ich bei vodafone an, das Netz von eplus ist einfach zu schlecht geworden. Datenverbindungen sind oft genug das Grauen, selbst Telefonate sterben weg. Über die Gründe kann ich spekulieren, vielleicht, weil fast jeder Billigheimer sich in das Netz eingekauft hat oder weil eplus das vormals eigene Netz verkaufte. Egal, ich wollte weg. Dann im Mai im BASE Laden liess ich mich doch wieder breitschlagen, den Vertrag nochmals zu verlängern. Förderlich dafür war, in der Familie wird ein weiterer BASE-Vertrag genutzt, dessen Ablauftermin nach den ersten 24 Monaten noch lange nicht erreicht ist. Soweit, so gut. Ich habe mir die Verlängerung dann mit einer Internetflat inkl. Handy - eine Freundin meiner Tochter freute sich über das mitgelieferte kleine Galaxy Ace - für 10 Euro Aufpreis “versüßen” lassen. Damit war alles beim alten, aber 2 Euro billiger pro Monat. Jedenfalls, bis ich im Sommer meinte, mein Internet High-Speed Kontingent (ja, ich weiß, High Speed ist relativ gerade im Zusammenhang mit BASE) von 500 MB auf 1 GB (plus € 5,–/Monat für die angepasste Flat) heben zu wollen. Als williger Konsument mit Tendenz zur Einfältigkeit dachte ich mir, den bestehenden Tarif (Internet mit Handy) einfach modifizieren zu können. Gedacht, die Hotline angerufen (0,99 € pro Anruf inkl. nervigem Gedudel und dummen Sprüchen während der anscheinend unvermeidlichen Wartezeit auf einen echten Menschen am anderen Ende), meinen Wunsch vorgetragen, die mündliche Bestätigung meiner Vorstellungen bzgl. Kontingentserhöhung erhalten und den Vorgang unter erledigt abgehakt. 
Die folgende Rechnung brachte dann eine Überraschung. Eine der unangenehmen Art. Jetzt buchte BASE nicht nur die ursprünglichen € 10,- für Internetflat plus Handy ab, sondern zusätzlich noch € 15,- für den Flattarif mit dem höheren Kontingent. Also zwei Flats für dieselbe Dienstleistung mit demselben Mobiltelefon. Naja, ich hatte es gemerkt und die Hotline (0,99 € pro Anruf inkl. nervigem Gedudel und dummen Sprüchen während der anscheinend unvermeidlichen Wartezeit auf einen echten Menschen am anderen Ende) zeigte sich einsichtig, versprach mir, die Position sofort ‘rauszunehmen und mir den zuviel gezahlten Betrag gutzuschreiben mit der nächsten Rechnung. Die Bestätigung über die Kündigung der zweiten Flat kam bald darauf. Soweit, wiedermal so gut. Dachte ich. 
Mit der Septemberrechnung traf mich dann das Grauen mit voller Wucht. Die eine Flat war tatsächlich weg, ein Betrag gutgeschrieben, die andere, ursprüngliche, war als Position wie erwartet aufgeführt und zusätzlich nochmal knapp € 100,- für Call by Call Internetverbindung. Abgerechnet nach Datenvolumen. Bedeutet, ich gebe zu, ich habe mehrmal 'drüber lesen müssen, BASE hat mir wieder meine Datenverbindungen doppelt berechnet. Einmal als Flat und einmal “zu Fuß”. 
Ich war dann nicht mehr freundlich bei der Hotline (0,99 € pro Anruf inkl. nervigem Gedudel und dummen Sprüchen während der anscheinend unvermeidlichen Wartezeit auf einen echten Menschen am anderen Ende). Zumal der Oktober auch schon weit fortgeschritten war und eine Fortsetzung dieser Doppelbesteuerung drohte. Freundlicherweise zeigte sich die Dame an der Hotline empfänglich für mein Anliegen, versprach mir eine Gutschrift für September und unmittelbare Wiedereinsetzung in den ursprünglichen Vertragsstand. Also Flat mit Handy. Bestätigung sollte per sms erfolgen. Ich hatte mich danach noch einmal in einem der zahllosen BASE Läden rückversichert, dass auch der Oktober entsprechend korrigiert werde
Was fehlte, war die Bestätigung per sms. Erst danach wollte ich die Datenoption an meinem mittlerweile Zweithandy wieder aktivieren. Daher wurde ich am folgenden Tag erneut im besagten BASE Laden vorstellig und nötigte die Mitarbeiterin wiederum bei BASE nachzufragen und die Sache zu klären. Das klappte und wenige Minuten später kam auch die sms Bestätigung. 

Wie es dazu kommen konnte? Die Hotline verwies auf einen Systemfehler, der durchgeschlagen sei. Ich vermute dagegen, mein Vorgang ist ein Fall, der als Prozess nicht definiert wurde und von daher kein “Systemfehler” sondern ein Fehler im System. Das sieht offensichtlich bei der Kündigung einer Internetflat ohne Abschluss einer neuen vor, den Kunden auf Call by Call zu setzen. Ob eine andere Flat existiert, wird nicht geprüft, denn das kann per Definition nicht vorkommen, da ein Vertrag nicht zwei identischen Positionen beinhalten kann. Jedenfalls in der Theorie….

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung. Meine “Customer Experience” ist in jedem Fall mindestens angestrengt.

Social CRM reloaded - Ich habe da mal ein paar Fragen

Das Thema ist aktueller denn je. In meinem letzten Beitrag bin ich bereits kurz darauf eingegangen, das Potential ist längst nicht ausgeschöpft.

“Social CRM” - die gängige Definition, von Paul Greenberg formuliert, lautet

“CRM is a philosophy & a business strategy, supported by a technology platform, business rules, workflow, processes & social characteristics, designed to engage the customer in a collaborative conversation in order to provide mutually beneficial value in a trusted & transparent business environment. It’s the company’s response to the customer’s ownership of the conversation.”

So weit, so viel und doch so wenig. Sicher, es steht eine Menge ‘drin, vor allem die Begriffe Philosophie, Geschäftsstrategie, Prozesse, Kunden und Konversation stechen hervor. Aber reicht das aus, um Social CRM zu “leben”. Von CRM kann man sagen, dass man es “leben” kann. Aber die Basis ist eine andere, das Ziel ist definiert(er), die Kommunikation ist vollkommen anders. 
Es gibt keine one-size-fits-all Lösungen, die eine erfolgreiche Nutzung von Social CRM ermöglichen, die Zeiten, wo insbesondere Software Anbieter ihre Produkte mit dem Slogan “Nimm das und Du wirst sofort glücklich” an den Mann brachten sind zum Glück vorbei. Wichtig ist, bevor man loslegt ein paar grundsätzliche Fragen zu betrachten. Es sind nicht viele, aber ehrliche Antworten machen einiges leichter. Natürlich gibt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eine individuelle Auseinandersetzung mit evtl. externer Beratungskompetenz soll und kann durch eine Handvoll Punkte nicht ersetzt werden. Aber ein Anfang ist gemacht.

Meine erste Frage an ein Unternehmen, das jetzt auf den Social CRM Zug aufspringen will:

Gibt es eine CRM Strategie?

Das bedeutet in Kurzform, interessiert Ihr Euch für Eure Kunden und habt Ihr Erfolg damit? 
In Ausführlich, kennt Ihr Eure Kunden? Wie ist das Verhältnis zu ihnen? Kennt Ihr den Markt und die aktuellen Trends? Gibt es einen Plan, ein Konzept für Marketing, Strategie und Service? Arbeiten sich interne Bereiche zu (z.B. Marketing und Vertrieb) und haben sie Zugriff auf dieselben Informationen zu Kunden, Interessenten und den Aktivitäten des jeweils anderen Bereichs? Habt Ihr verstanden, dass “CRM” Integration bedeutet und nicht Trennung oder Inselbildung?  Erkennen die Mitarbeiter einen Mehrwert für ihre tägliche Arbeit? 
Wenn diese Fragen mit Ja beantwortet werden, ist meiner Ansicht nach bereits eine große Hürde genommen und CRM im Unternehmen angekommen. Daher dann die nächste Frage

Ist diese Strategie erfolgreich?

Und zwar einerseits bezogen auf Euer Geschäft und andererseits auf die Zufriedenheit Eurer Kunden? Insbesondere die Kundenzufriedenheit, wie wird gemessen? 

Gibt es Software-Tools, die diese Strategie unterstützen?

Erfolgreiches CRM generiert Daten, die abgelegt und konsolidiert werden müssen. Spezialisierte Software unterstützt dies und bildet eine wertvolle Hilfe in der Umsetzung des CRM in der täglichen Praxis. Das Thema CRM Tools ist so umfassend wie individuell, daher beschränke ich mich auf die reine Erwähnung.

Ist die CRM Strategie flexibel, wenn sich Rahmenbedingungen ändern, ist sie zukunftsfähig?

Ich denke da an Veränderungen im Markt, an neue Produkte, Umstrukturierung der eigene Organisation usw. Machen die eingesetzten Tools mögliche Veränderungen mit? Wo sind die Grenzen?

Was soll mit einem Engagement in Social CRM erreicht werden?

Anders ausgedrückt, gibt es konkrete Ziele, die über ein “wir müssen Flagge zeigen auf den zeitgeistig-trendigen Kanälen” hinaus gehen? Unternehmen sagen gerne, wir wollen neue Kunden gewinnen, wir wollen mit Bestandskunden kommunizieren, wir wollen unserem Marketing einen weiteren Kommunikationskanal bieten. Alles schön, gut, legitim und normales Verhalten eines Unternehmens, das nicht in betonierten Strukturen lebt. Aber reicht das aus? Ist es konkret genug, um wirklich einen Mehrwert zu generieren und sich erfolgreich vom Wettbewerb abzusetzen?

Wie werden die definierten Ziele angegangen?

Wie sieht die Präsenz aus? Fanseite auf Facebook oder Google+? Twitter Account? Unternehmensseite auf XING? Oder keine eigene offene Präsenz, sondern mitlesen, mitschreiben und kommentieren in Bereichen, in denen das Unternehmen, seine Produkte, seine Marktsituation usw. diskutiert wird? Wie wird erkannt, wenn das Unternehmen involviert ist?

Wer hat den Hut auf?

Wer ist verantwortlich für Auftritt und Inhalte? Wer “darf” öffentlich auftreten und die Unternehmensmeinung vertreten? Dabei im Hinterkopf behalten, Social CRM ist genau wie CRM kein IT-Thema!

Wie wird Social CRM in das bestehende CRM integriert? 

Soll das bestehende CRM System im Unternehmen mit Social CRM Daten angereichert werden?Ist eine entsprechende Technologie verfügbar? Welche Daten werden erfasst? Wo werden sie abgelegt? Gibt es einen Plan zu späteren Nutzung? Wie kann irrelevanter Datenmüll vermieden werden?

Ist uns bewusst, dass die Kommunikation nicht kontrolliert werden kann?

Im klassischen CRM ist die Kommunikation zwischen Kunde (extern) und Unternehmen (intern) in der Regel eine 1:1 Kommunikation, die vom Unternehmen gesteuert und kontrolliert wird. Beispielsweise tritt eine Firma mit Kunden bzw. einer Zielgruppe in Kontakt durch Marketingaktionen oder ein Kunde wendet sich an seinen Lieferanten mit einer Reklamation oder ein Außendienstler besucht seinen Kunden. In allen Fällen bestimmt die Firma Art und Umfang der Kommunikation und es gibt zunächst keine Öffentlichkeit. Genau dies funktioniert nicht mehr, sobald Social Media ins Spiel kommt. Genaugenommen ist eine aktive Beteiligung der Firma an der Kommunikation nicht mehr notwendig. Ihr Verhalten, ihre Produkte und Positionen reichen aus, um öffentlich und ungebremst darüber zu diskutieren, zu kommentieren, zu kritisieren. Die Kommunikation findet an beliebigen Stellen zwischen Kunden, Interessenten, Sympathisanten, Kritikern und leider oft auch Trollen statt. Gerne völlig anlassfrei und unkontrollierbar durch das Unternehmen. Es ist eine 1:n:n Kommunikation mit allen Chancen und Risiken für das Unternehmen.

Gibt es eine Risikobetrachtung?

Wird sich im Vorfeld damit auseinander gesetzt, was durch ein Engagement in Social Media schief gehen kann? Wie wird mit Kritik umgegangen? Gibt es einen Plan für die Reaktion, wenn wirklich etwas schief gegangen ist? Eine unbedachte Erwiderung z.B. auf einen Beitrag eines unzufriedenen Kunden kann sich zu einem veritablen Shitstorm entwickeln, den es zu befrieden gilt. Hier sind neben Beruhigungskompetenz auch kurze Reaktionszeiten  vornöten. Ein nine-to-five Job mit Pause am Wochenende ist was anderes.
Kurz, sind die zuständigen Stellen im Unternehmen kompetent, spontan und schnell genug, um zu reagieren, bevor sich die Firma vollständig in die Nesseln setzt?

Soweit diese grundsätzlichen Fragen. Wie gesagt, es gibt weitere, die einzelnen Punkte lassen sich fast beliebig fein auflösen. Es ist derzeit noch schwer, aus dem Social CRM Gedanken ein erfolgreiches Konzept zu machen, dazu ist alles noch viel zu sehr in Bewegung. Die Plattformen, Facebook, Google+, Twitter usw. sind zu neu und in vielen Bereichen gerade für Unternehmen undurchschaubar und voller Sackgassen und auch Fallen. Hinzu kommt die Ungewissheit, wielange der Hype dieser Plattformen anhalten wird. Wielange sind Facebook & Co. noch attraktiv für potentielle Kundengruppen und kann darüber der B2B Bereich genauso angesprochen werden wie der B2C Bereich? 

Es bleibt spannend.

Michael Gorny

Ewige Baustelle um das ewige Licht.

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