Facebook ... Hype oder Hybris

Jetzt ist es geschehen, Facebook an der Börse

Es gab Gerüchte, Spekulationen und gespanntes Warten auf den großen Tag.

Dann war es soweit, der Ausgabekurs am obersten Ende bei 38 Dollar und nach einem kurzen Hoch auf mehr als 42 Dollar, der Rücksturz in die Nähe des Startpreises. Kurz zusammengefasst von der Financial Times Deutschland

“Das Börsendebüt von Facebook könnte man angesichts der Tatsache, dass die Aktie nicht in internetbewährter Manier direkt um einen mittleren zweistelligen Prozentbetrag sprang, als Desaster bezeichnen.”

Die Umstände am Ausgabetag waren mehr als peinlich für die NASDAQ. Anscheinend waren die Systeme an diesem Ort, an dem täglich riesige Summen hin und her geschoben werden, überfordert mit dem Handelsvolumen. Soviel zum kapitalistischen Musterländle USA, eine gewisse Häme kann ich nicht verbergen. Allerdings hat sich der NASDAQ Chef schnell für die Pannen entschuldigt. SPON schlagzeilt sogar von Blamage für Unternehmen und Börse. Dazu dann als größte Peinlichkeit die Stützungskäufe der federführenen Bank Morgan Stanley, damit der Kurs nicht unter den Ausgabekurs rutscht. Die NZZ beschreibt das kurz und schmerzhaft: 

“offenbar musste der Konsortialführer Morgan Stanley mehrfach grosse Mengen Aktien am Markt erwerben, um ein Absinken der Titel unter den Ausgabepreis von 38 $ zu verhindern.”

Die gute Nachricht, es gibt zumindest in Deutschland kaum Privatanleger, die direkt betroffen sind. Allerdings durchaus indirekt über Beteiligungen an Fonds die in FB-Aktien investiert haben.

Soweit die Fakten.

Was mir aufstößt dabei ist nicht, dass Herr Zuckerberg jetzt noch reicher ist, auch nicht, dass Banken und institutionelle Anleger das Geld ihrer Investoren sagen wir mal, nicht optimal platziert zu haben scheinen, sondern vielmehr das sofort nach Bekanntwerden der geringen Perfomance losbrechende Gejammere der um einen satten Gewinn Geprellten. Besser, derjenigen, die sich geprellt fühlen. Dazu dann gleich die feiste Besserwisserei und damit verbunden das FB-bashing in den Foren (bei SPON bspw. immer wieder schön zu lesen). Dazu meine Meinung

  • man muss nicht zwingend Mitglied bei Facebook sein
  • man muss nicht zwingend Aktien von Facebook kaufen

Damit sollte aller Kritik der Boden entzogen sein. 

Wer immer noch von Betrug faselt, dem möchte ich mitgeben, vor dem Öffnen der Brieftasche einfach mal das Ding zwischen den Ohren benutzen und abwägen, was für das sauer erabeitete Geld geboten wird. Eigenverantwortung hat noch niemandem geschadet, auch wenn es leider anscheinend die Tendenz gibt, immer jemand anderes zu finden, der gerade “schuld” ist.

Was dann wirklich geboten wird, kann ich nicht sagen, ich sehe nicht mehr als ein mehr oder weniger aktive web site mit ein paar Kommunikationsmöglichkeiten und Werbung an der rechten Seite. Die ignoriere ich oder klicke sie weg, als Begründung gerne mit “sexuell explizit”. Zum Kauf von irgendwas animiert hat sie mich noch nie. Vielleicht bin ich aber nicht repräsentativ für die 900 Millionen Nutzer, vielleicht kaufen sie und die Werbung lohnt sich für Anbieter und Facebook. Allerdings sehe ich auf der Handy App keine Werbung und die nutze ich mindestens genauso oft, wie die normale web site. 

Ob das allein etliche Milliarden wert ist, wird sich zeigen, für mich ist es eine Blase, ein gehyptes Nichts. Aber die Investoren entscheiden und das Internet hat uns schon einmal etliche Werte und Modelle vorgegaukelt, die sich danach als heisse Luft erwiesen haben. Wenn ich daher eine Firma wie Facebook mit einem großen Industrieunternehmen mit Know-how,  Assets, Immobilien, Kunden und Logistik vergleiche, scheint mir letzteres zukunftsfähiger zu sein.

Warten wir ab, wie sich die Aktie in dieser Woche entwickelt. Falls es jemand interessiert.