Sippenhaft im Paddelboot
Nein, es war kein Paddelboot auf einem beschaulichen Baggersee in der Eifel, es war das richtige Leben. Und zwar spielt das im ausgeschiedenen Deutschland Achter der Damen bei der Olympiade in London. Neben der Ruderin Nadja Drygalla meinten manche Menschen noch einen bekannten ostdeutschen Neonazi im Boot sitzen zu sehen. Das schreit nach Skandal!
Frau Drygalla zog die einzig ehrenhafte Konsequenz aus dieser anbrandenden Welle der Empörung und reiste ab ohne weitere Kommentare.
Dann ging der Tanz aber erst richtig los, Fragen zwischen NOK, dem Ruderbund und naturlich der stets gutmeinenden Presse. Eine deutsche Spitzensportlerin, mit Steuergeldern gepäppelt in’s Boot gesetzt, macht mit einem NPD Aktivisten ‘rum.
Das geht nun mal gar nicht, denn die NPD ist bekanntermaßen eine rechtsextreme Partei, in der etliche Hohlköpfe von nationalem Ruhm ohne Ausländer, Euro und sonstigen Einschränkungen der völkische Solidarität schwadronieren. Bei vielen “Aufmärschen” in verschiedene Städten sind sie meist auch dabei, das sind dann die Veranstaltungen 150:1500:1000, was das Verhältnis von Nazis, bewährten Kräften der Antifa und den armen Polizisten beschreibt, die die beiden Aktivistentrupps auseinanderhalten müssen und deren Job ich nicht haben möchte.
Aber zurück zur NPD … sehen wir es von einer anderen Seite und jeder Demokrat muss dem zustimmen, egal, mit wem Frau Drygalla Tisch, Bett, CDs und Weinflasche teilt, sie darf es ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, solange der Partner kein gesuchter Verbrecher ist und sie ihn deckt. Dabei ist es auch vollkommen egal, ob sie für Deutschland im Boot sitzt oder als Polizistin, die sie wohl nicht mehr werden kann, Knöllchen schreibt oder etwas ganz anderes macht. Solange die NPD nicht verboten ist, sondern sogar von diesem Staat mit Wahlkampfkostenerstattung alimentiert wird, gilt sie als Teil des legalen Parteienspektrums. Und damit sollte man sich einer Verurteilung von Frau Drygalla dringend enthalten! Zumal sie sich mittlerweile ausdrücklich von der Neonazi Szene distanziert hat.
Diese ganze Welle zeigt wieder einmal das vollkommen verkrampfte Verhältnis unseres Gemeinwesens zu allem, was rechts von einer selbstdefinierten Mitte ist. Privatleben gibt es keins, der Gedanke, es geht niemanden etwas an, was sie in ihrer Freizeit macht, kommt nicht auf. Stattdessen wird sogar der Ruf nach Sippenhaft laut - was anderes ist es nicht, wenn einem selber unbescholtenen Menschen sein Partner “vorgeworfen” wird und ihm geraten wird, sich von eben diesem Partner zu trennen.
Was für ein scheinheiliges Demokratieverständnis, Denkverbote inklusive, doch immer noch in der veröffentlichten Meinung anzutreffen ist.
Ich wünsche Frau Drygalla, dass sie in Ruhe ihre Position finden kann und ihren Weg geht ohne kluge Ratschläge von schockstarren Funktionären und aus der Empörungspresse.