Am Ende stand eine große Show, die erfolgreich ablief. Genauso wie die erste vor zwei Wochen. Es geht natürlich um Olympia in London. Aber natürlich nicht um die Sportwettkämpfe, sondern um das ‘Drumherum. Show, Musik, bewegende Momente, ganz großes Kino und lächelnde Gesichter auf der ganzen Welt. Die Spiele sind allen Unkerufen zum Trotz gut verlaufen und ohne Zwischenfälle. Also alles ok in Britanniens Hauptstadt.
Könnte man meinen, wäre da nicht eine Gruppe von Menschen, die sehen das vollkommen anders. Damit meine ich jene ausgewogenen Damen und Herren, die sich exemplarisch in den Forenbeiträgen zu diesem Artikel äußern. Wer sich die Lektüre antut, hat erstens eine hohe Schmerztoleranz und ist zweitens bereit für eine typisch deutsche Lektion in kleingeistiger Ausgewogenheit. Unversehens findet sich der geneigte Leser unter Besserwissern, Gutmenschen, Bedenkenträgern, Aufrechnern und Kellerlachern. Also diejenigen, die keinen Wert für sich stehenlassen können, ohne Einordung in ein System, ob es passt oder nicht. Die hinter jeder positiven Nachricht aktiv eine negative, z.B. eine Benachteiligung für irgendjemand anders, suchen. Wie kann man sich über eine gelungene Abschlußparty freuen, wenn Militär für Sicherheit sorgt? Eine gute Nachricht, evtl ein Vorteil für eine bestimme Gruppe wird in unserem Land sofort als Benachteiligung aller anderen Gruppen empfunden, solange diese nicht auch irgendeinen Vorteil für sich herausschlagen. Selbst dann gilt es als Diskriminierung, wenn sich für alle anderen nichts ändert. Dazu ein wunderbares Beispiel für ein misslungenes Kindergartenvorhaben hier.
Im Falle Olympia haben die Protagonisten allerdings vollkommen unausgewogen, keine Skrupel mal eben ein paar Hundert Millionen andere Menschen auf der ganzen Welt, inklusive der eigenen Sportler, für Deppen zu halten, weil sie von den Feiern begeistert waren. Das wiederum halte ich persönlich für eine ganz massive Diskriminierung und nebenbei für eine Unhöflichkeit par excellence. Aber wieso höflich sein, wenn man recht hat? Denn es sind schließlich die Staatsschulden, die eigentlich verbieten, solch aufwendige Veranstaltungen durchzuführen, es ist die Wirtschaftskrise, die schlechte Musik aus dem Mainstream und man kann sogar eine Glorifizierung der imperialen britischen Vergangenheit beobachten. Als Sahnehäubchen lassen die vielen Union Jacks gar auf so etwas völlig Unanständiges wie Nationalismus schließen, inmitten der Forumsdiskussion auch schnell mal mit z geschrieben. Igitt. Der gute, aufrechte, geschichtsbewußte Deutsche kann sich anscheinend nur mit Grausen abwenden und sich in spätestens zwei Jahren vor seiner eigenen Haustüre wieder über deutsche Fähnchen an Autos echauffieren.
Bis dahin können wir der Welt noch viel beibringen!