Was fuer eine Woche!

Seit vergangenen Dienstag ist selbst für unsere geschwindigkeitsverwöhnte Zeit jede Menge passiert in Deutschland und der Welt.

Zuerst Team USA 
Erst wird Obama mit wie sich inzwischen herausgestellt hat, deutlichem Vorsprung (332:206 Wahlmännern) wieder als Präsident der USA gewählt. Selbst das seit der 2000er Wahl, als G.W. Bush trotz geringerer Stimmenzahl seinen Konkurrenten Gore ausbootete, unter besonderer Beobachtung stehende Florida mit seinen 29 Wahlmännern konnte Obama holen
Bleiben wir in den USA, kurz nach der Wahl tritt der CIA Chef General Petraeus zurück. Offiziell wegen einer ausgiebigen Affäre mit seiner 20 Jahre jüngeren Biografin Paula Broadwell. Die Umstände sind derzeit noch undurchsichtig, auch Zeitpunkt und evtl. weitere Beteiligte, zudem ist anscheinend noch der Oberste US Militär in Afghanistan General Allen in diese Affäre verwickelt. Genaues weiss man nicht, aber in den USA versprechen außereheliche Affären, Ermittlungen des FBI und mysteriöse Umstände des Bekanntwerdens immer wieder gerne einen soliden Skandal. 

Und dann Deutschland
Aber nicht nur in den USA passierte etwas. Nein, hier im beschaulichen Deutschland führten die Grünen eine Urwahl zur Ermittlung des Spitzenduos für die Bundestagswahl im kommenden Jahr durch. Zur Wahl standen altbekannte Gesichter, seit Jahren dabei und schon in der seligen rot-grünen Koalition aktiv: Renate Künast, die im letzten Jahr dramatisch scheiterte beim Versuch Berlin im Handstreich zu erobern, Claudia Roth, bekannt aus der anatolischen Volkstanzszene, Jürgen Trittin, der seinerzeit die Flaschen-Mehrwegquote durch Einführung des “Dosenpfands” in ungeahnte Tiefen stürzte und Katrin Göring-Eckhardt, im Nebenberuf Vorsitzende der Synode der evangelischen Kirche Deutschland. Die beiden letztgenannten wurden gewählt und das war für viele, einschließlich meiner, eine Überraschung. In meinem Fall eine positive, denn auch wenn ich kein Grünwähler bin, mit Frau Göring-Eckhardt könnte tatsächlich mal ein neues Lüftchen durch die alters-stagnierende Grünpartei wehen. Claudia Roth erzielte übrigend das schlechteste Ergebnis der vier. Wie es mit ihr in offizieller Position in der Partei weitergeht, ist meiner Ansicht nach offen. Besonders erwähnenswert finde ich den Umstand, dass Frau Göring-Eckhardt trotz ihrer kirchlichen Funktion ein solches Vertrauen bei den Parteimitgliedern geniesst. Wo sind die aufgeklärten Atheisten, die schon Schluckauf bekommen, wenn sie ein Kreuz sehen und keine Gelegenheit auslassen, wenn es darum geht, die mangelnde Trennung von Kirche und Staat in Deutschland zu beklagen? Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, es gibt sie noch, allerdings scheinen sie das Lager gewechselt zu haben und sammeln sich unter einer anderen Flagge. Diese Wahl hat massive Spekulationen über eine mögliche neue schwarz-grüne Konstellation nach der Bundestagswahl ausgelöst. Der gute Sigmar Gabriel fühlte sich sogar bemüßigt, von den Grünen eine eindeutige Aussage zu rot-grün zu fordern

Dann war da noch das Betreuungsgeld. Ein medialer Daueraufreger seit Monaten, ideologisch belastet bis zum Anschlag. Einzelheiten erspare ich uns, das Thema ist rauf und runter diskutiert. Was Frau Schröder, als zuständige Ministerin zu hören bekam, war vom feinsten. Allerdings, wenn die Einführung dieses Betreuungsgelds im Koalitionsvertag steht, dann hat sie persönlich wenig damit zu tun, denn als dieser Vertrag geschlossen wurde, war sie noch nicht Familienministerin. Birgit Kelle hat im European die Position von Frau Schröder treffend beschrieben. Fakt ist, das Betreuungsgeld ist beschlossen und wird kommen. Auch wenn der evtl. zukünftige Kanzler Steinbrück, falls er die Angriffe aus seiner eigenen Partei bis zur Wahl durchsteht, es sofort wieder abschaffen will.
Ein unschönes Beispiel von real existierender Frauensolidarität in der Debatte zeigte übrigens die Linke Petra Sitte, die die CSU Abgeordnete Doro Bär auf Twitter ziemlich unterirdisch anging.
Meine persönliche Meinung zum Betreuungsgeld ist eine vollkommen ideologiefreie Ablehnung aus Gründen der Gerechtigkeit.
Interessanterweise wurde das Betreuungsgeld sogar in der großen Anti-Rassismus Veranstaltung “Arsch huh, Zäng useinander” in meiner Heimatstadt Köln am 9.November von dem Kabarettisten Wilfried Schmickler thematisiert. Genauer, er griff Frau Schröder unverschämt an und zeigte damit, dass er ideologisch stramm im Betonfeminismus der 70er Jahre steckengeblieben ist. 

Was noch passierte
Heute, am Dienstag dem 13.November, kam die Meldung, die Frankfurter Rundschau ist pleite. Diese Zeitung war einst in der Bonner Republik der linksliberale Gegenentwurf zur konservativen Tagespresse aus derselben Stadt. Eine Institution in der deutschen Presselandschaft. Leider hat sie es nicht geschafft, sich in der Internetwelt neu zu erfinden. Ich hoffe, dass es weitergeht und der Aufmacher von heute nicht nur ein Pfeifen im Wald ist!
Außerdem läutete heute Google eine weitere Runde im Konflikt mit Apple ein. Die neuen Nexus Modelle kamen in den Verkauf. Technologisch ganz weit vorne, preisliche Knüller. Es kam, wie man es eher von Apple kennt, nur schneller. Schon nach wenigen Minuten waren die Geräte aus dem Google Play Store in allen Ländern ausverkauft. Technische Probleme kamen hinzu und die geneigte Kundschaft war verärgert. Trotzdem, ich freue mich auf die nächste Lieferung und bin dann mit dem Nexus 7 dabei! 

Michael Gorny