2012

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Leistungsschutzrecht- die Bombe ist verpufft

Die Knüllermeldung heute: Springer hat unterschrieben. Damit ist das Leistungsschutzrecht in der Praxis gescheitert bevor es aktiv wird.

Meedia meldet als aktuelle Topstory, dass jetzt auch der Axel Springer Verlag sein Heil in einem opt in bei Google gesucht hat. Spät und natürlich nur unter Vorbehalt, aber wer so vehement mit allen Mitteln für dieses in der Hitparade aller jemals im Nachkriegsdeutschland erstellten unsinnigen Gesetze einen der vorderen Plätze belegende Regelwerk gekämpft, lobbyiert und Propaganda gemacht hat, kann nicht einfach sagen, ok Google, wir haben’s versucht, aber nicht mehr in den News aufzutauchen ist auch nicht so der Hit. Also Schwamm drüber …

Google reagierte schnell

Nach Googles Ankündigung vom Juni, eine weitere Listung in den News ab 1. August von einer vorherigen Zustimmung der Verlage zum Verzicht auf Forderungen aus dem Leistungsschutzrecht abhängig zu machen, fielen die Verlage um und unterzeichneten nahezu alle. Zu groß war anscheinend die Angst der Branche, durch Forderungen an Google aus den News zu fliegen und dann zu sehen, wie die Besuchszahlen auf der Webseite abstürzen. Die Verlage wussten sehr wohl, wer ihnen (und ihren Werbekunden) die Klicks bringt. Nur Springer zierte sich noch. Aber der erste August ist in drei Tagen und Google ist bei Leistungsschutzrecht nicht zu Scherzen aufgelegt.

Und warum?

Vielleicht hat auch der gerade angekündigte massive Umbau des Verlags, der Verkauf etlicher Blätter und Blättchen an die Funke Gruppe ihren Teil dazu beigetragen. Vielleicht hat auch schlicht der Pragmatismus gesiegt, denn Google hat eben keine Anstalten gemacht, die Brieftasche zu zücken und die gebeutelte Branche mit ein paar großen Scheinen zu pampern. Denn auch dieses Gesetz hat massive Unsicherheiten hinterlassen, im Zweifel hätte wegen der anscheinend mittlerweile in deutschen Gesetzen üblichen schwammigen Formulierungen auf das ein oder andere klärende Urteil der dritten Gewalt gewartet werden müssen. Damit ist für mich das Leistungsschutzrecht erledigt. Jedenfalls für den größten Player. Ob sich die Verlage jetzt untereinander angehen, wenn es um Beiträge geht, ob sie versuchen, von Bloggern abzukassieren, sehen wir nach dem ersten August. Im Moment ist mir erstmal nach Entwarnung.
Sogar für die SPD, die wohl auch noch drum herum kommt, sich nach einem nicht zu erwartenden Wahlsieg erneut mit diesem Thema befassen zu müssen. Wie sie es vollmundig verkündeten, nachdem sie das Gesetz nicht im Bundesrat gekippt hatte.